Tempo 30 auf verkehrsorientierten Strassen innerorts: Ein umfassender Überblick
4 avril 2025 | Bettina Zahnd und Andreas Bühlmann
Die Diskussion um Tempo 30 auf verkehrsorientierten Strassen innerorts hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Zusammenhang mit dem Planungsbericht «Tempo 30 auf verkehrsorientierten Strassen» hat der Kanton Luzern acht Faktenblätter publiziert. Diese geben einen Überblick zu den Themen Lärm, Luftqualität, Lebensqualität, Verkehrssicherheit, Reisezeit für Auto und öV, Schleichverkehr und Leistungsfähigkeit. Sie beleuchten die rechtlichen, wissenschaftlichen und praktischen Aspekte sowie die Auswirkungen auf verschiedene Verkehrsteilnehmer und die Umwelt.
Légende de l’image: Lärmspitzen stören den Schlaf stärker als längere Durchfahrten bei tieferem Lärmpegel. Weil der Lärmpegel bei Tempo 30 langsamer ansteigt, schlafen wir besser als bei Tempo 50.

Strassenlärm
Eine Reduktion der gefahrenen Geschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h führt zu einer Lärmabnahme um 2 bis 4 dB. Tempo 30 hat nachts und in urbanen Zentren den grössten Effekt, weil dort mehr Leute profitieren. Fallen Lärmspitzen weg, stören vorbeifahrende Autos den Schlaf weniger. Zur Nachtruhe trägt auch eine flüssige Fahrweise bei, denn Bremsen und Anfahren erzeugen Lärm.

Verkehrssicherheit
Bei Tempo 30 passieren weniger Unfälle als bei Tempo 50: Wird die Geschwindigkeit reduziert, müssen weniger Informationen pro Zeiteinheit verarbeitet werden. Auch die Anzahl Toter und Verletzter nimmt bei Tempo 30 ab und die Unfallkosten sinken. Der Effekt von Tempo 30 ist dort am grössten, wo die meisten Unfälle passieren.
Lebensqualität
Tempo 30 verbessert die Wohn-, Lebens- und Aufenthaltsqualität. Autos halten für Fussgängerinnen und Fussgänger eher an, Ortszentren wirken harmonischer. Je dichter ein Gebiet besiedelt ist, desto mehr Menschen profitieren vom positiven Effekt der Geschwindigkeitsbegrenzung.
Luftqualität
Neue und elektrifizierte Fahrzeuge und technische Massnahmen haben mehr Einfluss auf den Ausstoss von Schadstoffen als Tempo 30. Der Effekt der Geschwindigkeitsreduktion ist dennoch nicht zu vernachlässigen. Diese begünstigt den nicht-motorisierten Verkehr. Wo mehr Menschen zu Fuss, mit dem Velo oder dem Trottinett unterwegs sind, entstehen weniger Schadstoffe; die Luftqualität wird besser.
Reisezeit für den motorisierten Individualverkehr
Zu Stosszeiten fährt man bereits heute bei Tempo 50 innerorts teilweise langsamer als zulässig wäre. Deshalb verändert Tempo 30 die Reisezeit zu Stosszeiten weniger als zu Nebenverkehrszeiten. Die Analyse im Kanton Luzern zeigt: Gilt Tempo 30 in Ortskernen auf verkehrsorientierten Strassen, ist der MIV zu Stosszeiten etwa 2 bis 6 % länger unterwegs als bei Tempo 50. Nachts beispielsweise ist der Effekt von Tempo 30 etwas grösser: Die Reisezeit verlängert sich um 5 bis 7 %.
Reisezeiten für den öffentlichen Verkehr
Die Auswirkungen von Tempo 30 sind je nach Ausgangslage sehr unterschiedlich. Sie können von keinen Folgen über geringe Anpassungen an den Abfahrtszeiten bis zum Einsatz von zusätzlichen Bussen oder einem neuen Angebotskonzept reichen. Letzteres wendet man erst im sehr seltenen Fall von wenig Zeitreserven und fehlenden Möglichkeiten zur Busbeschleunigung an. Bisher hatte die Einführung von Tempo 30 auf verkehrsorientierten Strassen im Kanton Luzern (Bernstrasse in Luzern und Udligenswilerstrasse in Adligenswil) keine Auswirkungen auf den Busbetrieb.
Leistungsfähigkeit und Verkehrsfluss
Verkehrsstörungen, die Verkehrsdichte und vor allem die Art und Anzahl Strassenknoten (Kreuzungen) bestimmen, wie leistungsfähig eine Strecke ist. Tempo 30 wirkt sich dagegen kaum auf die Leistungsfähigkeit aus. Allerdings ist die Wirkung der Geschwindigkeitsreduktion bei jedem Knoten anders.
Verkehr in Quartieren (Schleichverkehr)
Zu Stosszeiten entsteht auf verkehrsorientierten Strassen manchmal Stau. Dies kann zu Ausweichverkehr führen, egal, ob bei Tempo 50 oder Tempo 30. Bei der Umsetzung von Tempo 30 auf kurzen Strecken in Ortskernen ist davon auszugehen, dass kein nennenswerter Schleichverkehr in Quartieren entsteht. Im Kanton Luzern ist es zudem eine Voraussetzung, dass alle untergeordneten Zufahrten bereits mit Tempo 30 signalisiert sind oder mit Tempo 30 signalisiert werden.