Mobilität und Raumentwicklung

Nationale Befragung zu den Präferenzen von Reisenden für verkehrliche Attribute

17. September 2026 | Basil, Schmid, Bundesamt für Raumentwicklung ARE

Warum wählen Reisende in der Schweiz das Auto, den öffentlichen Verkehr (ÖV), das Velo, E-Bike oder den Fussweg? Wie wichtig sind Reisezeit, Kosten, Umsteigen oder die Auslastung im ÖV? Die Stated-Preference Befragung (SP-Befragung) 2025, seit 2010 durchgeführt vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), untersucht genau diese Abwägungen. Sie knüpft direkt an den Mikrozensus Mobilität und Verkehr (MZMV) an und verbindet damit tatsächlich beobachtetes Verkehrsverhalten mit realitätsnahen Entscheidungssituationen. Mehr als 6’000 Personen haben teilgenommen. Die ersten Ergebnisse zeigen: Die Datenbasis ist robust und bietet eine gute Grundlage für die weiteren Analysen.

Vom realen Weg zur Entscheidungssituation

Der MZMV zeigt, wie Menschen tatsächlich unterwegs sind, wohin sie fahren, mit welchem Verkehrsmittel und zu welchem Zweck (sog. Revealed-Preference, kurz RP, Befragung). Er kann aber nur begrenzt zeigen, warum eine bestimmte Alternative effektiv gewählt wurde. Hier setzt die SP-Befragung an. Ausgangspunkt ist jeweils ein realer Weg, den eine Person im MZMV 2025 angegeben hat. Darauf aufbauend werden gezielt einzelne Merkmale verändert. Die Befragten entscheiden dann mehrmals zwischen den verfügbaren Alternativen mit veränderten Rahmenbedingungen. So lässt sich untersuchen, welche Rolle beispielsweise zusätzliche Reisezeit, höhere Kosten, ein weiterer Umstieg oder eine höhere Auslastung spielen. Die Situationen bleiben eng mit dem tatsächlichen Mobilitätsverhalten verbunden und erlauben gleichzeitig kontrollierte Vergleiche dieser verkehrlichen Attribute.

Schematische Darstellung des Befragungsablaufs (Beispiel für Verkehrsmittelwahl)
Schematische Darstellung des Befragungsablaufs (Beispiel für Verkehrsmittelwahl)

Vier Entscheidungssituationen im Fokus

Die SP-Befragung 2025 umfasst vier Arten von Entscheidungssituationen:

  • Verkehrsmittelwahl (je nach Person und Distanz) zwischen Auto, ÖV, Velo/E-Bike und zu Fuss
  • Routenwahl Auto zwischen zwei Routen mit unterschiedlichen Reisezeiten und Kosten
  • Routenwahl ÖV zwischen Verbindungen mit unterschiedlichen Fahr-, Zu- und Umsteigezeiten, Takten, Kosten und Auslastungen
  • Abfahrtszeitwahl zwischen unterschiedlichen Abfahrtszeiten für Wege mit dem Auto oder dem ÖV

Damit deckt die Befragung zentrale Entscheidungen für Verkehrsmodelle und die Verkehrsplanung ab. Gefragt wird nicht nach abstrakten Standardsituationen, sondern nach möglichst individuell auf die Befragten angepassten Alternativen.

2025: Verständlicher und näher am tatsächlichen Entscheidungsverhalten

Gegenüber der SP-Befragung von 2021 wurde das Design gezielt weiterentwickelt. Reisekosten wurden stärker personalisiert und näher an den für die jeweilige Reise ökonomisch relevanten Kosten ausgerichtet. Gleichzeitig wurde die Darstellung vereinfacht: Einzelne Zeit- und Kostenkomponenten werden nun übersichtlich präsentiert, und auch die Auslastung im ÖV wird anhand der SBB-Symbole einfacher visualisiert.

Einige Merkmale, die sich in der früheren Befragung als schwer verständlich oder analytisch wenig belastbar erwiesen hatten, wurden weggelassen. Zu- und Abgangszeiten werden konsistenter berücksichtigt und die Abfahrtszeitwahl wurde neu konzipiert. Das Ziel: Realistische Entscheidungssituationen, die für die Befragten verständlich sind und zugleich eine belastbare Grundlage für die Modellierung liefern. Die Fragebogendarstellungen zeigen dabei deutlich, wie klar und übersichtlich die Entscheidungssituationen 2025 aufgebaut sind.

Beispiel einer Entscheidungssituation (ÖV-Routenwahl)
Beispiel einer Entscheidungssituation (ÖV-Routenwahl)

Hoher Rücklauf und eine breite Datenbasis

Insgesamt konnten die Antworten von 6’182 Personen ausgewertet werden – sowohl über Online- als auch über Papierfragebögen. Die Netto-Rücklaufquote lag bei 49.3 %. Von den Personen, die einer Teilnahme zugesagt hatten, schlossen über 80.6 % die Befragung tatsächlich ab. Für die Analyse steht nach der Bereinigung ein Datensatz mit knapp 90’000 Entscheidungsbeobachtungen zur Verfügung.

Auch qualitativ fällt die erste Bilanz positiv aus. Nur ein kleiner Teil der Beobachtungen musste wegen unplausibler oder schwer interpretierbarer Antwortmuster ausgeschlossen werden. Die vorläufigen Modelle zeigen überwiegend die erwarteten Zusammenhänge. Die Befragung liefert damit eine breite und zugleich aussagekräftige Datenbasis für die weitere Modellierung.

Rücklauf und Umfragekennzahlen in der SP-Befragung 2025
Rücklauf und Umfragekennzahlen in der SP-Befragung 2025

Was lässt sich bereits erkennen?

Die ersten Auswertungen bestätigen, dass Reisende nicht nur auf Reisezeit und Kosten reagieren. Auch Umsteigezeiten, die Anzahl der Umstiege, Takt und Auslastung im ÖV spielen eine Rolle. Zudem unterscheiden sich die Bewertungen je nach Reisesituation: Die Bedeutung der Reisezeit hängt von der Wegdistanz und dem Fahrtzweck ab. Arbeits-, Freizeit- und Geschäftswege werden dabei nicht identisch beurteilt.

Die Resultate sind explizit als vorläufig zu verstehen. Die vertiefte Modellierung erfolgt in einem nächsten Schritt und wird unter anderem Unterschiede zwischen Personengruppen sowie die Gewichtung auf die Schweizer Bevölkerung berücksichtigen.

Was bringt die Befragung für die Praxis?

Für Verkehrsplanende sind die Ergebnisse dort besonders interessant, wo Massnahmen das Verhältnis zwischen Zeit, Kosten und Angebotsqualität verändern. Wie stark wirkt eine kürzere Reisezeit? Wie wird ein zusätzlicher Umstieg gegenüber einem dichteren Takt bewertet? Welche Rolle spielt die Auslastung im ÖV? Und wie reagieren Reisende, wenn sich die Abfahrtszeit verändert?

Die SP-Daten bilden deshalb eine wichtige Grundlage für die Verkehrsmodellierung, Verkehrsperspektiven sowie verkehrliche Wirkungs- und Bewertungsfragen. Durch die Verknüpfung mit dem MZMV können zudem Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen genauer untersucht werden.

Fazit

Die SP-Befragung 2025 versucht sichtbar zu machen, was im beobachteten Verkehrsverhalten oft verborgen bleibt: Die Abwägungen hinter einer Entscheidung, ein Verkehrsmittel oder eine Route zu wählen. Ihre Stärke liegt in der Verbindung von realen Wegen mit gezielt variierten, plausiblen Alternativen. Die hohe Beteiligung, die gute Datenqualität und die ersten Ergebnisse zeigen, dass diese Verbindung bestens funktioniert. Mit der vertieften Analyse entsteht daraus eine wichtige Grundlage, um das Entscheidungsverhalten im Schweizer Personenverkehr besser zu verstehen und aktuelle Veränderungen im Verkehrssystem fundierter abzubilden.

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