Mobilität und Raumentwicklung

Superblock Tests in Basel

18. Februar 2026 | Superblock Test Team: Catherine Heinzer, Nicole Morellini, Jakob Ladner

Basel testet derzeit zwei Superblocks in zwei verschiedenen Stadtquartieren. Superblocks sind ein Anliegen aus Bevölkerung und Politik.

Basel testet derzeit einen Superblock in den Quartieren St. Johann und Matthäus. In beiden Quartieren forderte die Bevölkerung Superblocks. Zusätzlich überwies der Grosse Rat einen Vorstoss betreffend Superblocks in Basel. Ein Superblock besteht aus verkehrsberuhigten, begrünten und vielfältig nutzbaren Quartierstrassen. Das Konzept Superblock stammt ursprünglich aus Barcelona. Dieses Konzept muss an die Gegebenheiten und Voraussetzungen in der Stadt Basel adaptiert werden. Während der einjährigen Tests sind ausschliesslich mobile und temporäre Massnahmen möglich. Das bedeutet, es können im Rahmen der Tests keine Bäume gepflanzt und keine Entsiegelungen vorgenommen werden.

Flyer Strassenabschnitte
Flyer Strassenabschnitte

Testperimeter

Die Testperimeter befinden sich in den beiden Quartieren St. Johann und Matthäus, wo eine engagierte Bevölkerung Superblocks fordert. Sie wurden so ausgewählt, dass bereits ein hoher Anteil an Begegnungszonen bestand und die Verkehrsanordnung ausserhalb der Perimeter nicht angepasst werden musste (z.B. Umstellen von Einbahnstrassen). Zudem mussten zahlreiche Kriterien beachtet werden, wie beispielsweise Blaulichtrouten und ÖV-Linien, so dass der Kanton die Testperimeter «top down» vorgab. Im St. Johann besteht der Superblock Test aus drei Strassen(abschnitten), im Matthäus aus sieben Strassen(abschnitten).

Verkehrsregime

Das Verkehrsregime in den beiden Superblock Tests umfasst Tempo 20 mit Vortritt für Fussgängerinnen und Fussgänger. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Begegnungszonen wurden alle Strassen in den Perimetern zu Begegnungszonen und zudem mit einem dreiteiligen Fahrverbot (Motorfahrzeuge, Motorräder, Motorfahrräder) vom Durchgangsverkehr befreit. Aufgrund dessen war es erforderlich, alle öffentlichen Parkplätze in den Perimetern aufzuheben, damit Anwohnende keinen Parkiervorteil haben (weil alle «Nicht-Zubringer» aufgrund der Signalisation keinen Zugang zu den öffentlichen Parkplätzen im Perimeter hätten). Im St. Johann wurden 49 Parkplätze und im Matthäus 73 Parkplätze temporär für ein Jahr aufgehoben. Zubringerdienst und Veloverkehr sind gestattet, auch E-Bikes. Die Güterumschlagsflächen wurden ergänzt, so dass es in allen Strassen möglich ist, kurzzeitig ein- und auszuladen. Selbstverständlich blieben Veloparkplätze, Car-Sharing-Standorte und Behindertenparkplätze bestehen.

 

Projektverlauf

Nachdem im Januar 2024 der Regierungsrat entschieden hatte, zwei Superblocks in den Quartieren St. Johann und Matthäus zu testen, informierte der Kanton im März 2024 die Bevölkerung an insgesamt drei Informationsveranstaltungen über das Vorhaben. Danach publizierte der Kanton im März 2024 die Verkehrsanordnungen und Parkplatzaufhebungen. In beiden Testperimetern gingen je drei Einsprachen ein, die abgewiesen wurden. Der Teilperimeter Fatiostrasse – Jungstrasse im St. Johann konnte nicht weiterbearbeitet werden, da eine Einsprache weitergezogen wurde und das Rechtsverfahren hängig ist. Für den Superblock Test Matthäus und den Superblock Test St. Johann im Perimeter Davidsbodenstrasse – Davidsrain – Am Krayenrain sind die Verkehrsanordnungen rechtskräftig. Von Februar bis März 2025 führte der Kanton in Zusammenarbeit mit zwei externen Büros zwei partizipative Prozesse durch betreffend Ausstattung und Möblierung auf den Flächen der aufgehobenen Parkplätze. Im Rahmen der beiden Allmendbewilligungsverfahren (Bau- und Nutzungsgesuch für die Aussenmöblierung) gab es keine Einsprachen, so dass die beiden Superblock Tests umgesetzt werden konnten: Der Superblock Test St. Johann wurde am 16. August 2025 eröffnet, der Superblock Test Matthäus am 13. September 2025. Seitdem befinden sich die beiden Tests in der einjährigen Testphase.

Impression St. Johann
Impression St. Johann
Impression Matthäus
Impression Matthäus

Testphase

Die Kantons- und Stadtentwicklung begleitet die Testphase. Sie steht in regelmässigem Austausch mit den Begleitgruppen in beiden Quartieren sowie mit verschiedenen Stakeholdern und koordiniert den Prozess innerhalb der Verwaltung. Kern der Superblock Tests ist die Evaluation. Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen, wie ein Superblock in Basel funktionieren kann. Teil der Evaluation sind Befragungen vor und während der Tests, Verkehrsmessungen, Indikatoren und strukturierte Interviews. Die Evaluation soll aus der Gesamtsicht heraus Erkenntnisse zu Lebensqualität, Verkehrsberuhigung und Akzeptanz generieren. 

Superblocks als Beitrag zu Stadtklima und Klimaschutz?

Superblocks knüpfen an zahlreichen Strategien und Konzepte des Kantons Basel-Stadt an und vereinen diese zugleich an einem Ort: Mobilitätsstrategie, Klimaschutzstrategie, Stadtklimakonzept, Begegnungszonen, Freiraumkonzept, Aktionsplan Sport- und Bewegungsförderung, Konzept zur Steigerung der Lebensqualität und Sicherheit im öffentlichen Raum, Legislaturplanung 2021-2025/2025-2029. Im Gegensatz zu permanenten Superblocks mit baulichen Massnahmen wie Baumpflanzungen und Entsiegelungen können temporäre mobile Superblocks wie in der Testsituation keinen relevanten Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas und zum Klimaschutz leisten. Sie können jedoch Beschattung ermöglichen und so einen Beitrag zum Hitzeschutz leisten. Durch Superblocks – sowohl permanent als auch temporär und mobil – kann die Wohnumfeldqualität verbessert und die Nachbarschaft gestärkt werden.

Öffentlicher Strassenraum im Wandel?

Beim Superblock Test handelt es sich unter anderem um eine temporäre Umverteilung des öffentlichen Strassenraums. Wo vor dem Test Parkplätze waren, steht jetzt der Bevölkerung öffentlicher Raum für eine vielfältige Nutzung zur Verfügung. Die Tests entsprechen auch dem Ansatz «Stadt als Labor».

Freie Strasse früher – heute
Freie Strasse früher – heute

Fazit und Ausblick

Die Superblock Tests sind im Sommer 2025 gestartet. Sie dauern bis 2. August 2026 im St. Johann und bis 31. August 2026 im Matthäus. Danach werden sie evaluiert. Der Regierungsrat entscheidet aufgrund der Evaluation, wie es weiter geht mit dem Thema Superblocks in Basel.

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